Technopolitics Timeline in Linz, courtesy STWST 48×2

Technopolitics Timeline in Linz, courtesy STWST 48x2
Technopolitics Timeline in Linz, courtesy STWST 48×2
Timeline Linz 2016
Timeline Linz 2016
Timeline Panorama
Timeline Panorama

Timeline: a small picture book

 

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Tracing Information Society – a Timeline, im MAK FORUM, 21.-26.06.2016

Es ist der Versuch eine Timeline zu entwickeln, welche die Entstehung und Strukturen der Informationsgesellschaft vermittelt. Diese Timeline existiert nun in Version 0.2. Diese hat 470 Einträge in 6 Hauptkategorien.

Timeline and Table
Timeline and Table

 

 

 

 

 

Zu den Einträgen in der Timeline gab es weiterführende Materialien zum Selbststudium auf einem Time Table. Dieser Table bildete auch den Mittelpunkt bei Workshops und Diskussionen.

 

 

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Tracing Information Society at MAK Forum

Timeline at MAK, Workshop
Timeline at MAK, Workshop

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Dividualität und Technopolitik

von Gerald Raunig

Die Realität heutiger dividueller Datensätze, riesiger Akkumulationen von Daten, die auf unendliche Arten geteilt, wieder zusammen- und inwertgesetzt werden können, ist eine der weltweiten Ströme, der Deterritorialisierung und der maschinischen Erweiterung. Wenn nicht mehr ManagerInnen, BankerInnen, BrokerInnen, sondern Programme Kalkulationen und Berechnungen durchführen und auf solche Kalkulationen und Berechnungen reagieren, dann scheint es, dass nicht mehr die Menschen mit den Programmen operieren, sondern umgekehrt die Programme mit den Menschen. Nicht nur, dass diese sich den Maschinen unterordneten, dass sie Teile der Maschine würden wie die Arbeiter in Marx’ Maschinenfragment, sie sollen gänzlich weggefegt werden von der selbsterweiternden Fantasie ihrer Bildschirme. In der Fantasie von Logistik und Algorhitmik sprechen die Dinge direkt mit den Dingen. Reduktion aller maschinischen Verhältnisse auf Ding-Beziehungen, Invertierung des Anthropozentrismus: Anstelle des Menschen wird das Ding essenzialisiert.

Doch nicht nur, dass diese Fantasie zu simpel ist, dass sie die dividuelle Sozialität der Maschinen reduziert – genau auf dem technopolitischen Terrain des Maschinisch-Dividuellen können wir auch eine neue Qualität von Widerstand suchen, als kritische Mannigfaltigkeit, molekulare Revolution und Con-division.

In einem Europa, das von Rassismus, neuen Faschismen und rasenden Rechtsrucken der aggressiven Mitte gezeichnet ist, wirken die Entwicklungen der letzten fünf Jahre in Spanien seltsam zeit- und raumversetzt, aus den Fugen. Der soziale Protagonismus der 15M-Bewegung, die Platzbesetzungen, die Acampadas, die Mareas, die Asambleas, die erfolgreiche Sorge-Praxis der Plataforma de Afectados por la Hipoteca (PAH), die Bewegungen, die in confluencias für die diversen Wahlen vor allem auf Stadt/Gemeinde-Ebene münden – all das scheint beispiellos. Ende Mai 2015 erfolgte bei den Wahlen auf lokaler Ebene der Durchbruch einer Bewegung, die sich in den Jahren zuvor praktisch und theoretisch abgezeichnet hatte: In all seinen unterschiedlichen Spielarten zeigte sich in ganz Spanien ein neuer municipalismo.

Ein Jahr später haben die neuen Stadtregierungen ihre ersten Erfahrungen gemacht, manche, wie in Barcelona und Madrid, sogar unter der Führung der Bewegungsplattformen unter Namen wie Ganemos, En Comú, Compromis, Ahora, Participa, etc. Ob an der Regierung oder in der Opposition – es gibt viel zu tun für jene AkteurInnen, die um und in den Rathäusern für ein nicht-hierarchisches Verhältnis von Bewegung und Institution kämpfen. Wie erwartet, tauchen in den Mühen der politischen Ebenen vielerorts auch Probleme auf, Probleme, die, legt man die klassischen Raster politischer Theorie auf sie an, die üblichen Mechanismen der „Machtübernahme“, des „Marsches durch die Institutionen“, der Spaltung von Bewegung und Organisation zu wiederholen scheinen.

Die Municipalismos beginnen in der sozialen Mitte des Lokalen, des Nachbarschaftlichen, des Territoriums. Doch dieser Lokalismus läuft Gefahr, zur Schliessung zu tendieren, wenn er ihr nicht Formen der Deterritorialisierung entgegensetzt. Die realen Räume in den Barrios sind nicht die einzigen subsistenziellen Territorien, auch in den technopolitisch-dividuellen Flüssen lassen sich gut soziale Maschinen bauen. In Sevilla errang die neue municipalistische Plattform Participa Sevilla drei Mandate bei den kommunalen Wahlen, und wie in Madrid, Barcelona oder Malaga ist die Spitzenkandidatin auch hier eine Frau, die Kuratorin Susana Serrano.

Gerade für die Beantwortung der Frage, wie die Flüsse der cuidadanía über die Grenzen des Lokalen zusammen-, über- und hinausfliessen könnten, werden technopolitische Aspekte relevant. Susana Serrano erzählt etwa, dass die Circulos von Podemos ihre Legitimation teilweise durch die Eröffnung einer Facebook-Site erreicht haben, nicht etwa durch den Nachweis einer ersten, auf Papier protokollierten Sitzung oder die Vormacht einer gewissen, durch die nationale Podemos-Leitung eingesetzte Gruppe. Doch Facebook ist definitiv nicht das geeignete Medium molekularer Revolution. Unter dem Namen n-1 hatte es schon seit den späten 2000er Jahren ein technopolitisches Dispositiv in Spanien gegeben, das die Möglichkeiten von Medialität und Sozialität in selbstorganisierter Weise erweitern wollte. Gegeninformation, aktivistischer Forschung und dissidenter Wissensproduktion sollte eine andere Qualität von Datenschutz, aber auch andere technische Grundlagen sozialen Verkehrs geboten werden. Das bedeutete zugleich mehr Privacy und Tools zum sozialen Austausch, mehr Selbstkontrolle über die eigenen Daten und mehr technische Zuverlässigkeit, als die kommerziellen DienstleisterInnen des Web 2.0 bieten konnten. n-1 kam allerdings nie an die Mitglieder-Niveaus von Facebook heran. Um 15M stieg die Anzahl der Beteiligten 2011 zwar auf über 40.000, danach fiel das soziale Netz aber in sich zusammen.

Gerade für eine europäische Ausweitung und Ansteckung der neuen Municipalismos wird es neuer technopolitischer Räume bedürfen, Maschinen-Räume, die confluencias auch im translokalen Rahmen ermöglichen. Diese dividuell-abstrakten Maschinen sind nicht einfach als Netzwerke zu denken, die existente Punkte, existente Territorien nacheinander miteinander verbinden. Vielmehr geht es um Stockungen und Zusammenflüsse, Zerstreuungen und Versammlungen, Un/gleichzeitigkeiten, Un/gefüge. Die dividuellen Deterritorialisierungen, die abstrakten Maschinen, die technopolitischen Ströme entstehen gemeinsam mit den konkreten sozialen Maschinen, den Schwärmen in den Barrios, in den subsistenziellen Territorien, genauso brüchig, geteilt, aus den Fugen, ungefügig.

Anmerkung der Redaktion: Dieser Text ist ein Addendum zu Raunigs Buch, Dividuum – Maschinischer Kapitalismus und molekulare Revolution, Band 1 und wurde verfasst als Ergebnis des Technopolitics Salons am 20.04.2016 in der Kunsthalle Wien.

Website zum Buch http://transversal.at/books/dividuum

Timeline Version 0.1

Tracing Information Society – A Timeline, Version 0.1 Kunstraum  Niederösterreich, exhibition Social Glitch, September 25 to December 05. 2015

 

Technopolitics Salon: Dividuelle Dividende

 

Fotos vom Technopolitics Salon »Dividuelle Dividende« am 20.04.2016, Kunsthalle Wien.